Jugendfeuerwehr Ehrengast am Lügder Tag des Ehrenamtes

Ehrengäste von der Jugendfeuerwehr am Lügder Tag des Ehrenamtes 2017 © Volker Thiele

„Eine Freiwillige Feuerwehr? Klar, die haben wir in Lügde.“ … „Eine Jugendfeuerwehr? Ich glaube, die gibt’s bei uns auch.“ – So denken vermutlich viele von uns. Wir wissen, dass es sie gibt und was sie so machen, so ungefähr jedenfalls, und wir halten sie für selbstverständlich.

Und genau an dieser Stelle möchte die Feierstunde zum Lügder Tag des Ehrenamtes ansetzen. An diesem Tag möchten wir, Rat und Verwaltung der Stadt Lügde, Bürgerinnen und Bürgern danken, die sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen, für die Umwelt, für die Stadt einbringen, ohne dafür eine Gegenleistung, ohne dafür ein Arbeitsentgelt oder eine Aufwandsentschädigung zu bekommen.

Mit der Feierstunde zum Lügder Tag des Ehrenamtes möchten uns aber auch in Erinnerung rufen, wie wichtig die Arbeit der Ehrenamtlichen ist, die wir im Alltag viel zu oft als normal, als gegeben, als selbstverständlich erachten.

Die Feierstunde am 30. März 2017 im Café Tender war unserer – der Lügder Jugendfeuerwehr – gewidmet. Und sie war denjenigen gewidmet, die sich um die Ausbildung der Jugendlichen kümmern, sie motivieren, sie begleiten – Mitmenschen innerhalb, aber auch außerhalb der Feuerwehr.

„Um zu erfassen, wie wichtig Jugendfeuerwehren sind, müssen wir uns vor Augen führen, was Feuerwehren denn so machen“, leitete Bürgermeister Heinz Reker seine Laudatio ein. Die Kurzfassung kennen wir: Retten, Löschen, Bergen, Schützen. „Wir müssten aus dieser Feierstunde mindestens eine Feierwoche machen, wollten wir auf jeden der Punkte im Detail eingehen“, hob Heinz Reker hervor und erklärte:

„In dem Moment, als es unseren Vorfahren gelang, bei Bedarf selbst Feuer zu entzünden, haben sie damit vermutlich eine der wichtigsten Entdeckungen der Menschheit gemacht. Mit Feuer konnten sie Licht in der Dunkelheit erzeugen. Mit Feuer konnten sie sich vor Tieren schützen. Mit Feuer konnten sie sich wärmen, mit Feuer konnten sie Speisen vielfältiger zubereiten. Das Arbeiten mit Feuer ermöglichte es ihnen, bessere Werkzeuge und schöneren Schmuck herzustellen. Aber es war auch das Feuer, mit dem sie gefährlichere Waffen schmieden konnten. Man kann sagen, dass die Beherrschung des Feuers der entscheidende Impuls für den Fortschritt war.

Aber trotz der großen Zeitspanne zwischen damals und heute, trotz all dem Wissen, das wir zwischenzeitlich gewonnen haben – vollständig beherrschen wir das Element Feuer bis heute nicht.

In der Geschichte der Stadt Lügde finden wir dafür mehrere Beispiele. Bei dem großen Brand von 1797 ist beinahe die komplette Stadt vom Feuer zerstört worden.

Jedoch hat nicht nur das Element Feuer unserer Stadt häufiger zugesetzt. Immer wieder hatten die Lügder auch mit Hochwasser zu kämpfen. Eines der schlimmsten Hochwasser war wohl das von 1946.

Wenn Gefahren durch Feuer oder Hochwasser drohen, ist jede helfende Hand wichtig. Doch wir wissen auch:

  • Je besser die Helfer über die Gefahrenquellen und über die Möglichkeiten, diese zu bekämpfen, informiert sind,
  • je besser sie für den Kampf gegen diese Gefahren ausgestattet sind,
  • je besser sie Hand in Hand arbeiten,

desto schneller können sie das Ziel – die Gefahr zu beseitigen – erreichen.

Als in Lügde die Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, war das sicherlich der entscheidende Beweggrund: Wir können schneller und wirksamer helfen,

  • wenn wir trainieren, den Ernstfall üben,
  • wenn wir lernen, abgestimmt zu arbeiten,
  • wenn wir uns fortbilden und
  • wenn wir uns mit gutem Arbeitsmaterial ausstatten.

Das Tätigkeitsfeld einer Feuerwehr ist längst nicht mehr auf das Bekämpfen von Feuer, und, wie in Lügde, von Hochwassern beschränkt. Ob es schwere Verkehrsunfälle oder Chemieunfälle sind, nur selten machen wir uns bewusst, wie viele Situationen es gibt, in denen uns die Feuerwehr zur Seite steht. Oft wären wir ohne sie, ohne ihr Knowhow, ohne ihre Technik, ohne ihre Routine vollkommen hilflos.

Und deswegen sind unsere Jugendfeuerwehren so wichtig. Deswegen müssen wir den jungen Leuten in den Jugendfeuerwehren dankbar sein. Deswegen müssen wir den erfahrenen Feuerwehrexperten dankbar sein, dass sie sich so intensiv um ihre ‚Schützlinge‘ bemühen. Denn die Jugendlichen in den Jugendfeuerwehren sind die Experten von morgen – diejenigen, die morgen retten, löschen, bergen, schützen – uns!

Sie sind es, die morgen alles geben, um uns bei Feuer, Hochwasser, Auto- und Chemieunfällen zu helfen – und dabei nicht selten ihre Gesundheit oder gar ihr Leben riskieren.

Denken wir in dem Zusammenhang auch daran, was sie bei ihren Einsätzen zu sehen und zu hören bekommen – die verletzten Menschen, die Panik der Betroffenen, der Anblick von sterbenden oder verstorbenen Menschen. Das zu ertragen und doch ruhig und besonnen zu helfen, stelle ich mir nicht einfach vor. Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Vermutlich nicht“, bekannte Heinz Reker, und erinnerte:

„Und wir müssen an den Faktor Zeit denken. Es kostet Zeit zu lernen und zu lehren, wie mit den außer Kontrolle geratenen Elementen wie Feuer und Wasser umzugehen ist. Es kostet Zeit zu lernen und zu lehren, wie auf chemischen Unfälle zu reagieren ist. Es kostet Zeit zu lernen, wie die Technik, also die Geräte und Fahrzeuge zu bedienen sind.

Wenn wir uns diese Dinge vor Augen führen, dann wird schon deutlich, wie sehr wir den Jugendlichen dankbar sein müssen, die sich für die Arbeit in der Feuerwehr entschieden haben. Und wie dankbar wir den Helferinnen und Helfer innerhalb und außerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Lügde sein müssen, die die Jugendlichen bei der Ausbildung betreuen.“

Im Anschluss an seine Laudatio dankte Heinz Reker: Lea Steinhage, Tanja Wintjes, Björn Biesemeier, Oliver Brinkmeier, Jörg Jakob, Tobias Köchling, Wolfgang Kornegger, Philipp Kühne, Timo Schaper, Marco Tallig und Gerhard Wintjes, die stellvertretend für die Jugendfeuerwehr und das Ausbildungs- sowie Betreuungsteam an der Feierstunde teilgenommen haben.

Die Jugendfeuerwehr in Lügde in Zahlen

Die Jugendfeuerwehr in Lügde besteht aus drei Abteilungen,

  • der Jugendfeuerwehr in der Kernstadt, die 1966 gegründet wurde,
  • der Jugendfeuerwehr in Rischenau, die 1985, und
  • der Jugendfeuerwehr Wörmketal, die 1999 gegründet wurde.

In den Jugendfeuerwehren engagieren sich – Stand 31.12.2016 – 17 Mädchen und 54 Jungen, insgesamt also 71 junge Menschen:

  • 7 Mädchen und 30 Jungen in der Jugendfeuerwehrgruppe Kernstadt,
  • 9 Mädchen und 9 Jungen in der Jugendfeuerwehrgruppe Rischenau, sowie
  • 1 Mädchen und 15 Jungen in der Jugendfeuerwehrgruppe Wörmketal.

Neben der angesprochenen Feuerwehrausbildung, die zirka 70 Prozent ihres Ehrenamtes ausfüllen, nehmen die Jugendlichen an verschiedenen Aktionen teil, führen Veranstaltungen durch und müssen auch Prüfungen ablegen.

[Foto und Text: Volker Thiele]

3.4.2017