Lügde, woher kommt der Name?

Die heute gebräuchliche Sprach- und Schreibform Lügde ist urkundlich seit 1390 nachweisbar. Der Name hat im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Wandlungen erlebt. Für die Deutung des Namens gibt es im Grunde genommen zwei verschiedene Theorien.

  • Liuhidi
  • Lugethe
  • Lude
  • Luthe
  • Ludhe
  • Lugde
  • Luden
  • Lüde
  • Lügde

Der Ortsname Lügde hat im Laufe der Zeit die verschiedensten Schreibweisen gehabt.

Die erste Sprachdeutung geht davon aus, dass der Name Lügde „Licht” bedeutet. Hier wird die Auffassung vertreten, dass der Name Lügde LUC-„Licht” enthält und auf einen älteren keltischen Lichtkult schließen lässt, zu dem sich in germanischer Zeit die Osterräder gesellten (alter heidnischer Osterräder Lichtkult). Insbesondere wird die Theorie vom Lügder Heimatforscher Horstmann vertreten.

Viele Orte, die mit der Vorsilbe „Lug” beginnen, werden heute noch mit dem alten keltischen Gott LUGOS in Verbindung gesetzt, einem Schutzgott des Handels und der Straßen. Als Beispiel hierfür wird die französische Stadt Lyon genannt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Name LUGOS auf eine Wurzel zurückweist, die „Licht” und „Helle” bedeutet (griechisch Leukos „weiß” und lateinisch Lux „Licht”). Auch die Tatsache, dass der Feuerräderlauf im damaligen gallischen Raum stark verbreitet war, könnte Indiz dafür sein, dass Kelten den Räderlauf in Lügde eingeführt haben und evtl. den Namen Lügde mit dem Lichtkult des Feuerräderlaufes in Verbindung gebracht haben.

„Leuchte“

Eine ähnliche Meinung vertritt so auch der Pyrmonter Schlossamtmann Johann H. Seiler in seiner 1657 verfassten Schrift „Kurze Beschreibung der Grafschaft Pyrmont”. Er führt hier in Kapitel 20 (Woher die Stadt Lügde den Namen hat) aus, dass ein bekannter Historiker die Stadt Lügde in seiner Chronik bedacht habe. Dieser Historiker behauptet, dass Kaiser Karl in seinem Krieg gegen die Sachsen ein besonderes Regiment mit dem Beinamen „Leuchte” hatte. Nachdem dieses Regiment in den Sachsenkriegen in Lügde gelagert hatte (Karl der Große hat 784 in Lügde das Weihnachtsfest gefeiert), wurde dieser Ort hiernach benannt mit „Lugdunum Westfalia”. Seiler führt jedoch weiter aus, dass die Deutung in dieser Form wohl etwas weit hergeholt sei.

Die 2. Deutung des Namens Lügde knüpft im wesentlichen an sächsische Begriffe an. Nach Prof. Schröder, Göttingen, lässt sich der Ortsname in seiner zuerst überlieferten Form „Liuhidi” nur schwer oder auch gar nicht deuten, außerdem sei er auch kein eigentlicher Siedlungsname. Er bedeute eine Flurstelle, auf der es viele „Liu” gab. Ob dies nun Menschen, Tiere, Bäume oder dergleichen waren, darüber kann die Wissenschaft bis heute keine exakte Auskunft geben. Prof. Dierichs, Bad Driburg, deutet den Ortsnamen in der Vielfalt seiner Formen: Leute, Menge, also ein Ort mit vielen Leuten, mit viel Volk.

Seiler schreibt in seiner Chronik weiter, dass die Lügder Bürger - befragt nach der Herkunft des Namens Lügde - sagen würden, dass sie am Abend, wenn sie vom Acker heimkehrten, immer gesagt haben: Wir wollen zu den „Lüen” gehen. Die Lügder Bevölkerung sei der Meinung, dass der Name Lügde von dem Wort Lüe (Leute) abstamme.

Für diese Auslegungsweise sprechen auch Inhalte verschiedener Karten aus der Zeit Karls des Großen, der das Sachsengebiet unter anderem eingeteilt hat in „Nord-Liuhidi” und „Ost-Luihidi”, also eine Bezeichnung gewählt hat, die auf Nord- bzw. Ostleute des Sachsengebietes hinweist.

In gleicher Weise äußert sich auch der Poeto Saxo, der in seinem Werk am Ende des 9. Jahrhunderts die Ostfalen, zu denen Lügde räumlich gehört, mit „Osterliuhidi” bezeichnet hat.

Die vorherrschende Meinung, dass mit der Bezeichnung „Lügde” lediglich ein Ort gemeint ist, an dem es viele Leute gibt, dürfte daher wohl zutreffend sein.