Fachwerkhäuser, ihre Hausinschriften und Monogramme

In Städten wie Lügde, die Wehrsiedlungen in einem engen Mauerring waren und in denen sich die Häuserzeilen eng zusammengeschlossen, konnten sich die einzelnen Baukörper nur mit ihren Giebelfronten dem Beschauer zuwenden. Die Giebel waren damit gleichzeitig das Repräsentationsschild, den der Hausbesitzer dem Vorübergehenden entgegenhielt.

Die an den Häuserfronten angebrachten Inschriften, Monogramme, und Abbildungen, zum Beispiel Giebelbilder, geben daher nicht nur einen Einblick in die Stadtgeschichte, sondern auch in die Geschichte ihrer Bewohner.

Neben den Inschriften sind an vielen Bauernhäusern in Lügde die Pfosten und Balken der großen Haustür mit Schnitzereien von Ranken und Blumen geschmückt. Die Querriegeln enthalten meist den Namen des Erbauers, seiner Frau, Jahreszahl und Monogramme.

Während viele Bauernhäuser in der Umgebung für Monogramme, z.B. Wappenfragmente oder aber sonstige Darstellungen verwandten, finden sich hier ausschließlich Monogramme wieder, die einen christlich-religiösen Bezug haben. Es sind Monogramme von Jesus, Maria und Josef. In der Mitte des Querbalkens finden wir in der Regel das Monogramm Jesus (JHS)*, zur Rechten das Monogramm Marias (MAR oder MRA) und zur Linken das des Hl. Joseph (ISP oder IPH, OSP). Es liegt darin eine gewisse Bezugnahme auf die geistliche Herrschaft (Hochstift Paderborn), aber noch vielmehr ist es wohl ein Ausdruck tiefer christlicher Gesinnung der Bewohner.

Die Inschriften weisen im Regelfall auf Katastrophen — in erster Linie Brandkatastrophen — hin, oder aber sie haben einen bestimmten christlichen Bezug.

Darüber hinaus gibt es noch Inschriften (mit Abbildung), die sich im Giebel der einzelnen Gebäude befinden. Insbesondere wurden diese sogenannten “Reliefplatten” an den Häusern angebracht, in denen Schafhaltung üblich war (Schäferhäuser).

Schon Goethe erwähnte in seinen Tag- und Jahresheften im Jahre 1801 anlässlich seines Besuchs in Lügde Giebelinschriften, wobei er eine Giebelinschrift in seinen Notizen vermerkte.

Die Giebelinschrift (heute nicht mehr vorhanden) hatte folgenden Inhalt:

Gott segne das Haus. Zweimal rannt ich heraus, Denn zweimal ist’s abgebrannt. Komm ich zum dritten Mal gerannt, Dann segne Gott meinen Lauf. Ich bau’s wahrlich nicht wieder auf.

(entnommen aus Chronik Schlieker/Friese, II. Band)

*) Das Christusmonogramm JHS wird volkstümlich gedeutet: Jesus, Heiland, Seligmacher. Richtig ist jedoch, dass mit dem ausgehenden 15. Jahrhundert dieses Monogramm entwickelt wurde aus dem Griechischen (Jesus). Die Abkürzung wurde hier gedeutet als Jesus hominum Salvator (Jesus, der Menschen Heiland).

Aus heutiger Sicht könnte man dazu neigen. Man muss die Dinge jedoch im Licht der damaligen Zeiten betrachten. Die Lebensschwerpunkte waren damals völlig anders geordnet. Es wird hier verwiesen auf die Ausführungen zum Thema “Bürger - Bürgereid”.

Die Hausinschriften enthalten Hinweise über die Erbauer der Gebäude, Jahreszahlen und geschichtliche Ereignisse. Fast an allen nach dem großen Brand von 1797 erbauten Bürgerhäusern ist die Furcht vor Feuer und Brand, die wegen der dicht aneinanderstehenden, nur durch einen schmalen Traufgang getrennten, leichten Fachwerkbauten besonders begründet war, Ausdruck verliehen. Durch das Hinzufügen christlicher Symbole stellte man die Bauten unter Gottes Schutz, teils ermunterten sie zur Geduld in der Stunde kommenden Leides.

(Auszug aus einem Bericht von Pfarrer Vogel “Alte Häuser und Inschriften in der Stadt Lügde” - Heimatbuch des Kreises Höxter, Bd. 2 1927)

Haus Hintere Str. 86 (das Haus, von dem der Brand 1797 ausging):

Die große Feuersbrunst allhier entstand a. 1797 Es kam gewiss nicht von gottes Handt Weil es nicht war meine Schult Darum leyde ich alles gern mit Geduld. Haus Hintere Str. 84:

Das zeitliche Feuer zweimal erfahren a. 1797 Fürs ewige wolle gott der Herr uns bewahren So halte gott ein seine strafende Hand So bleiben wir fern von Feuer und Brand.

Wen got will erquicken a. 1611 Den kan nimant unterdrücken 

Haus Hintere Str. 12 (ältestes Haus, 1797 nicht abgebrannt):

Im Laufe der Zeit sind viele Inschriften verlorengegangen und nur in einzelnen Fällen sind besonders bemerkenswerten Texte im Wortlaut überliefert worden. Nach Pfr. Vogel hatte ein Grübler folgende Inschrift angebracht: 

Mein Vater hat dies Haus gebaut, a. unbekannt das Haus gehört nicht seiner. Dem zweiten hört es auch nicht, den dritten trägt man raus, Wem gehört nun dieses Haus?

So bedauerlich es einerseits ist, dass im Laufe der Zeit zahlreiche Inschriften verlorengegangen sind, so erfreulich ist es, dass sich in der Bevölkerung die Erkenntnis einer Sicherung dieses Kulturgutes durchgesetzt hat. Nicht zuletzt wurde die Altstadt im Rahmen der Stadtsanierung als bauhistorische Denkmalzone ausgewiesen, deren Wiederherstellung und Sicherung als eine wichtige Aufgabe der Sanierung erklärt wurde.