1946, Hochwasserkatastrophe in Lügde

Bei einem Hochwasser der Emmer liegt der Wasserspiegel über dem Niveau der Altstadt. Die Altstadt wäre damit –auch in frühern Jahrhunderten – ständig bei starken Niederschlägen oder bei Schneeschmelze überflutet, wenn es die Stadtmauer, welche die gesamte Altstadt umschließt, nicht gäbe. Die Lücken in der Stadtmauer (Straßen beziehungsweise Wege) können bei Bedarf verschlossen werden. Trotz dieser Sicherungseinrichtung ist es immer wieder vorgekommen, dass im Hochwasserfalle die Mauer beschädigt wurde. Auch das aufsteigende Grundwasser ist eine große Gefahr. Anfang der 5oer Jahre hat die Stadt deshalb ein Schöpfwerk in der Emmerstraße errichtet, welches mit drei großen Wasserpumpen eingedrungenes Wasser sicher aus dem Stadtbereich entfernt. Innerhalb der letzten 400 Jahre hat es in Lügde 17 Hochwasserkatastrophen gegeben. Die Hochwasserkatastrophen von 1775 und 1946 waren die schwersten.

Die Hochwasserkatastrophe am 8. Februar 1946 stellte die bisher aus der Überlieferung bekannte größte Hochwasserkatastrophe von 1775 noch weit in den Schatten. Das Wasser erreichte gegen 23 Uhr den höchsten Stand; auf dem Marktplatz zwei Meter und an niedrigen Stellen der Stadtmauer zweieinhalb Meter. An Vieh sind umgekommen:

  • 78 Milchkühe,
  • 98 Rinder,
  • 11 Kälber,
  • 42 Schweine,
  • 15 Schafe und Fohlen,
  • eine Menge Kleinvieh
  • und 55 Bienenvölker.

In vielen Häusern waren schwere Schäden zu verzeichnen. Der Gesamtschaden wurde damals auf 1 Millionen Mark beziffert . Ein besonderes „Nadelöhr” für den Abfluß der Emmer im Hochwasserfall war die Region vor der Emmerbrücke. Neben einer intakten Stadtmauer war es unbedingt erforderlich, den Wassserabfluß der Emmer nicht durch ein ungeeignes Brückenbauwerk unnötig zu behindern. Die heutige Emmerbrücke erfüllt den Zweck durch ihre weitreichenden Brückenbögen, frühere Brückenbauwerke beschränkten ihre gemauerten Steinbögen auf das Nötigste, ergänzt wurden diese Bauwerke jedoch durch Pfahlkonstruktionen.

Irene Weidauer hat die Hochwasserkatastrophe als Kind erlebt. Ihre Erinnerungen an diese Katastrophe hat sie für uns aufgeschrieben.