Die Schildburg

Vor rund 1000 Jahren entstand unweit der Schutzhütte auf dem Schildberg die so genannte „Schildburg“. Die genaue Entstehungszeit dieser kleinen Ringwallanlage ist nicht nachgewiesen, da keine schriftlichen Quellen bekannt sind. Vergleiche mit ähnlichen Funden deuten jedoch darauf hin, dass der Bau der Anlage ins 10. – 11. Jahrhundert zurückreicht, also bevor die hochmittelalterlichen Befestigungstechniken mit Mörtelmauerwerk angewandt wurden. 

In der Heimatforschung fand diese Anlage bisher kaum Beachtung und wurde lange Zeit irrtümlich als Hünengrabanlage ausgelegt bzw. gedeutet. Es handelt sich hierbei jedoch vielmehr um eine Dynastenburg, also einen Verwaltungssitz mit Wehranlage.

Grundriss der Schildburg © Dieter Stumpe

Man befindet sich auf dem Schildberg auf einer Höhe von etwa 240 m ü. NN. Denkt man sich den heutigen Buchenwaldbestand einmal weg, hat man einen imposanten Rundblick auf den gesamten Lügder-Pyrmonter Talkessel. Wie bei ähnlichen frühgeschichtlichen Ringwallanlagen (z.B. der Herlingsburg oder auch Bomhof), lag die Schildburg an einem Knotenpunkt wichtiger Verbindungs- und Fernwege. In der Regel handelte es sich dabei um Höhenwege, die auf den Bergkämmen verliefen und einen guten Blick ins Tal boten.

Auf dem Bergkamm und auch in der Nähe der „Burg“ liegen noch mehrere Steinhügelgräber unterschiedlicher Größe, die von einer regen Betriebsamkeit auf diesem urgeschichtlichen Höhenweg zeugen. Die gute Sicht ins Tal und die Lage an einem Knotenpunkt alter Höhenwege legt den Schluss nahe, dass ein adliger Herr mit dieser Anlage seinen lokalen Herrschaftsbereich sichern wollte. Da der Schildberg zu dieser Zeit im Herrschaftsbereich der Schwalenberger Grafen lag, könnte es sich möglicherweise um einen Außenposten der Schwalenberger gehandelt haben. So wird man diese Anlage als frühen Beleg sich herausbildender Territorialherrschaft sehen müssen, die zur Verwaltung und Sicherung eines Gebietes angelegt waren.

Die verbliebenen Gräben und Aufschüttungen sowie Erkenntnisse vergleichbarer Anlagen, lassen erahnen, wie die Burg einmal ausgesehen haben könnte. Die innere Burgfläche war ca. 45 m x 35 m groß und war durch 4 m bis 6 m tiefe und ca. 6 m bis 10 m breite Gräben umzogen. Der Aushub wurde in Schutthalden hangabwärts gelagert. Der Zugang erfolgte wohl über eine etwas später angelegte Holzbrücke und war durch ein rechteckiges Torhaus außerhalb des Grabens gesichert. Leider ist durch Steinbruchbetrieb für den Waldwegeausbau die Anlage gut zur Hälfte zerstört.

Text: Dieter Stumpe