Die Geschichte vom Känzler

Es war einmal ein Lügder Amtmann, auch „Känzler“ genannt. An manchen Tagen konnte er nicht anders, da musste er den Bauern einen Streich spielen. Mal machte er die Pferde scheu, so dass sie davonrasten. Dann wieder griff er in die Speichen der Wagenräder und hielt das Gefährt fest. Die Lügder Bauern waren zornig. „Wir wollen deine Streiche nicht“, riefen sie und jagten den Känzler aus dem Ort. Aus Angst versteckte er sich unterhalb der Herlingsburg. Als er starb, fand sein Geist immer noch keine Ruhe.

Genau hier im Bereich des großen Quellteiches trieb er immer wieder sein Unwesen. Wenn ein Bauer mit Pferd und Wagen diese Stelle passierte, konnte es geschehen, dass ihm die Pferde durchgingen. Dann griff der Bauer zu einem Beil und schlug damit vorn auf die Deichsel, in dem Glauben, es sei des Känzlers Kopf. „Ha, jetzt hab ich dich, du alter Schurke“, rief er dann triumphierend. Aber niemandem gelang es, dem Känzler das Handwerk zu legen. Deshalb machten die Bauern schließlich um diesen Platz einen großen Bogen. Aber wer die Geschichte nicht kennt und hier reitet, dem kann es noch heute passieren, dass sein Pferd scheu wird. Und die Alten sagen dann: „Siehst du, es war wieder mal der Känzler.“

Mehr zu diesem Thema finden Sie hier: Sagen, Mythen und Märchen aus Lügde