Alte Obstsorten – Die Biesterfelder Renette

Bankrücken auf dem Wanderweg "BlickWinkel"

Alte Obstsorten sind Teil unseres kulturellen Erbes. Über Jahrhunderte wurden Obstsorten herangezogen, die dem Klima und Boden unserer Heimat besonders gut angepasst sind. Traditionelle Eß- und Kochgewohnheiten sowie das Wissen zur Veredelung und Vorratshalterung wurden von Generation zu Generation weitergegeben.

Der Apfel zählt zu den ältesten Kultur-Obstarten und wurde bereits im alten Ägypten kultiviert. Pilgerfahrten und Kreuzzüge führten im Laufe der Jahrhunderte zu einer weltweiten Verbreitung des Apfels und damit zu einer größeren genetischen Vielfalt und Entstehung weiterer Sorten. Im Mittelalter wurde vor allem in den Klöstern der Apfel weiterverbreitet und veredelt.

Der 1859 in Berlin gegründete Pomologen-Verein (Pomologie = Obstbaumkunde) erfasste 2.651 Obstsorten, davon 839 Äpfel- und 912 Birnenarten. Weltweit waren um 1880 mehr als 20.000 Apfelzüchtungen bekannt. Bei ihrer Entstehung spielte die Kunst des Veredelns eine wichtige Rolle, denn sie bildet die Voraussetzung, dass sich Sorten identisch vermehren.

Eine der alten Kultur-Apfelsorten ist nach diesem Ort hier benannt und ist auch heute noch hier anzutreffen. Die Biesterfelder Renette wurde 1850 als Zufallssämling auf Schloss Biesterfeld gefunden. Pfarrer Wilhelm Wilms aus Nieheim hat sie 1904 erstmals beschrieben und weiter verbreitet. So schaffte sie den Sprung von der Lokalsorte in die überregionalen Sortimente, zunächst in Westfalen und später in ganz Deutschland. Die mild-aromatische Apfelsorte erinnert stark an den Gravensteiner Apfel, duftet und ist im Geschmack angenehm süßweinig und fein würzig. Der Herbstapfel ist im September bis Oktober reif.

Bis in die 1950er Jahre gehörten die alten Obstsorten zum Alltag vieler Menschen. Was über den Eigenbedarf hinausging, wurde auf den örtlichen Märkten verkauft. Mit der Entstehung des Plantagenobstbaus und unter dem Gesichtspunkt der „Marktbereinigung“ seit den 50er Jahren ließ die Bedeutung der heimischen Obstwiesen zur Versorgung der Bevölkerung allmählich nach. Die Anforderungen des Handels nach knackigen, saftigen und vor allem robust und gut lager- und transportfähigen Apfelsorten ließen die meisten Apfelsorten mit der Zeit verschwinden und schränkte die Auswahl auf wenige Standardsorten ein.

Die alten Obstsorten sind nur noch auf den verbliebenen Streuobstwiesen anzutreffen. Durch den Verlust der meist nur extensiv bewirtschafteten Obstwiesen verschwanden nicht nur viele alte und regional bekannte Obstsorten, sondern es ging auch das Wissen über diese Sorten und ihre Pflege verloren. Diese Entwicklung wirkte sich auch auf die Tierwelt aus. Durch den Wegfall dörflicher Obstwiesen gingen bedeutsame Brut- und Nahrungsbereiche für die Vogelwelt verloren.

Zum Erhalt der Biodiversität spielen Streuobstbestände jedoch eine herausragende Rolle. Und so bemühen sich seit Anfang der 1980er Jahre Naturschützer, Landwirte, Kommunen und Keltereien daher vermehrt um den Schutz und die Förderung der Streuobstbestände in Deutschland. Mit dem zunehmenden Interesse an der Erhaltung von Obstwiesen rücken auch der Wert und die Eigenschaften der alten, hochstämmigen Obstsorten wieder verstärkt in den Fokus. In den Baumschulen werden wieder zunehmend alte Obstsorten angeboten.

Wenn Sie sich für das Thema alte Obstsorten interessieren, besuchen Sie das Freilichtmuseum Detmold. Seit 1985 werden auf dem Museumsgelände alte Obstsorten erforscht, gesammelt und vermehrt.
Wissenswertes über den Apfel:

  • Jeder Deutsche isst statistisch 25 kg Äpfel pro Jahr.
  • Im Lateinischen heißt der Apfel "Malus", übersetzt: "das Böse". Schließlich hatte die Frucht vermeintlich den Sündenfall heraufbeschworen und damit die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies bewirkt. 
  • Eine alte Weisheit sagt: Ein Apfel pro Tag, mit dem Doktor keine Plag!