Die Niese – Heimat des „fliegenden Edelsteins“

Bankrücken: Eisvogel, Niese © Volker Thiele

Bankrücken auf dem Wanderweg “BlickWinkel“

Nur noch wenige Tausend Brutpaare gibt es deutschlandweit, aber mit ein bisschen Geduld und Glück kann man hier an der Niese den Eisvogel (lat. Alcedo atthis) bei der Jagd oder Brut beobachten. Sein prächtiges, türkis schillerndes Federkleid und rostbraunes Bauchgefieder geben dem Eisvogel sein unverwechselbares Aussehen und brachten ihm den Spitznamen des „fliegenden Edelsteins“ ein.

Der amselgroße Vogel ist vorrangig an naturnahen Gewässern mit einem hohen Artenreichtum anzutreffen. Er ernährt sich von Wasserinsekten, kleinen Fischen, Qualquappen und Kleinkrebsen. Der Wiesen- und Niederungsbereich der Niese mit seinen Steilufern, Sand- und Kiesbänken bietet dem Eisvogel gute Voraussetzungen für die Aufzucht seines Nachwuchs. Ab Ende März / Anfang April brütet er in meist selbst gegrabenen Brutröhren, die er in die Wände der Uferböschungen gräbt. Nach 21 Tagen schlüpfen in der Regel sechs bis sieben Junge.

Doch der Eisvogel ist längst nicht der einzige tierische Bewohner im Niesetal. Das extensiv genutzte Grünland, die Feuchtflächen, Quellbereiche und Ufergehölze bieten zahlreichen Pflanzen und Tieren einen Lebens- und Nahrungsraum. Wasseramseln, Graureiher, Bergmolche, Erdkröten und Libellen fühlen sich in den Feuchtbereichen und anmoorigen Flächen besonders wohl. Auch eine besondere gewässerbegleitende Vegetation prägt das Schutzgebiet. An den Ufern der Niese wachsen Schwarz-Erlen, Eschen, Silber-Weiden, Hasel, Schwarzer Holunder, Weißdorn und vieles mehr.

Von ihrer Quelle in einer Höhe von 377 Meter am Westhang des Köterbergs, oberhalb der namensgebenden Ortschaft Niese, fließt der Bach auf einer Gesamtlänge von rund 25 Kilometern durch den lippischen Südosten. Der stark gewundende Gewässerlauf fließt durch Kollerbeck, südlich vorbei an Schwalenberg, vorbei an Lothe und durch den Steinheimer Forst. Danach verlässt die Niese den schützenden Wald und trifft kurz vor Schieder auf die historische Papiermühle Plöger, wo sie noch heute ein Mühlrad antreibt. Westlich von Schieder mündet die Niese kurz vor dem SchiederSee in die Emmer. Auf ihrem Weg wird die Niese von 7 Zuflüssen gespeist, darunter sind der Steinbach, der Kleinenbredener Bach, der Lippebach und der Kötherbach, der wiederum vom Schwalenberger Stadtwasser gespeist wird. Haben Sie gewusst, dass das Schwalenberger Stadtwasser allen Naturgesetzen zum Trotz bergauf zu fließen scheint?

Entlang der Niese findet sich auch noch eine andere ornithologische Besonderheit: der Schwarzstorch. Nur noch rund 500 Brutpaare siedeln in ganz Deutschland. Der Schwarzstorch ist etwas kleiner als der verwandte Weißstorch und gut zu erkennen an seinem schwarzen Gefieder mit der weißen Brust und dem tiefroten Schnabel und Beinen. Wie auch der Eisvogel findet der Schwarzstorch in der fischreichen Niese optimale Nahrungsbedingungen vor. Als Leitfischarten kommen in der Niese Bachforelle, Groppe, Schmerle, Bachneunauge, Elritze sowie Hasel und Döbel vor. Aufgrund des Fischreichtums wurde die Niese und die Emmer einst auch vom Fischotter bewohnt. Der „nimmersatte Fischräuber“ wurde jedoch erbarmungslos gejagt und so wurde 1951 der letzte Fischotter im Unterlauf der Niese beobachtet.

 Die Nieseaue mit ihren nährstoffreichen Böden wurde vermutlich bereits im Mittelalter landwirtschaftlich genutzt. Für die Bevölkerung war die Niese ein wichtiger Bestandteil des bäuerlichen Lebens. Sie diente unter anderem der Bewässerung der Felder und speiste insgesamt drei Mühlen: Die Obere-Niese-Mühle, Mittlere-Niese-Mühle und Untere-Niese-Mühle.