Blick in den Sonnenaufgang vom Osterberg auf die Häuser im Lügder Talkessel
© Christian Manthey 
Während der Aufbau der steil abfallenden Hänge auf dem gegenüber liegenden, bewaldeten Schildberg nicht zu erkennen ist, sind hier auf der offenen Westseite des Talkessels auffallende Terrassenbildungen sichtbar.

Die unterhalb des Kempenhofes liegende steile Böschung wird von harten Gesteinen im Oberen Muschelkalk, den Trochitenkalken, gebildet. Der Name leitet sich von versteinerten Stengelgliedern von Seelilien ab, die wie kleine Mühlräder aussehen. Seelilien sind im Übrigen keine Pflanzen. Es handelt sich um auf Meeresböden mit Stielen festgewachsene Tiere. Zusammen mit den Resten anderer mariner Lebewesen bauen sie die über 100 m mächtigen Muschelkalkschichten um den Talkessel auf.

Hinter Ihnen beginnt, etwa dort wo der Golfplatz liegt, die von weicheren Mergeln des Oberen Muschelkalkes gebildete Hochfläche. Dort wo an ihren Rändern die schützende, harte Schicht der Trochitenkalke ausstreicht, fällt der Hang in einer 10-15 m hohen Böschung steil ab.

Wenn Sie an offenen Stellen entlang dieses Wanderweges in den Talkessel hinab blicken, fallen weitere stufenartige Terrassenbildungen auf. Auch hier handelt es sich um festere Gesteinsschichten (diesmal im Mittleren Muschelkalk) über denen jeweils unterschiedlich breite Verebnungsflächen liegen.

Während die Verebnungsflächen bei ausreichender Breite problemlos landwirtschaftlich genutzt werden konnten, waren die steilen Böschungen und angrenzende flachgründige Böden nur als Weideflächen nutzbar.

Zur besseren Einfriedung des Viehs wurden an den Rändern der Wege und zwischen den verschiedenen Weideparzellen dichte Hecken angelegt, die bis heute die Landschaft prägen.

Allerdings werden die ehemals offenen Böschungen, von Ausnahmen abgesehen, seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Hier haben sich hangparallel verlaufende Gehölzsäume entwickelt, die den Verlauf der eingangs beschriebenen harten Gesteinsschichten erahnen lassen.

Sofern sie nicht in Ackerland umgewandelt wurden, werden heute fast alle größeren, alten Weiden an den Hängen des Talkessels fast ausschließlich nur noch als Wiese genutzt. Abgesehen von dem dichten Heckennetz erinnern nur noch verfallene Schuppen und Unterstände daran, dass hier einst Weideland war. Abgesehen von dem immer mehr zuwachsenden Panoramablick hat dieser Wandel in der Landschaft weitreichende Konsequenzen für die Tier- und Pflanzenwelt.

Auf den durch Beweidung offen gehaltenen Böschungen wuchsen einst zahlreiche Licht und Wärme liebende Pflanzen, wie Orchideen, Enziane und viele kleinwüchsige Kräuter. Viele von Ihnen sind verschwunden, weil sie Beschattung durch Gehölze nicht ertragen. Auch in hoch und dicht wachsenden Wiesen haben sie keine Überlebenschance. Mit ihnen sind zahlreiche Schmetterlinge hier inzwischen ausgestorben. Auch der in den dichten Hecken brütende Neuntöter ist selten geworden, da ihm die im Kot der Weidetiere lebenden Insekten fehlen.

Trotz dieser Entwicklung ist der Hangbereich des Lügder-Pyrmonter Talkessels bis heute sehr artenreich. Wer hier mit offenen Augen wandert, kann viele überraschende Entdeckungen machen.

  • Trochitenkalk – deutlich sichtbar sind die versteinerten Stengelglieder von Seelilien
  • Die stufenartige Terrassenbildung ist am Osterberghang besonders deutlich sichtbar.
  • Gebüsch bestandene Terrasse am Rand des Talkessels / Hinter den wegbegleitenden Hecken liegen alte Weideflächen
  • Hinter den wegbegleitenden Hecken liegen Schwer zu entdecken – im Juni fliegt in alte Weideflächen den oberen Heckenbereichen der Schlehen-Zipfelfalter