Bürgermeister ehrt Wanderwegewarte

Stillleben an der Paradiesmühle in Rischenau
Stillleben an der Paradiesmühle in Rischenau © Volker Thiele

Im Fokus der Feierstunde zum Lügder Tag des Ehrenamtes standen in diesem Jahr 22 Bürgerinnen und Bürger, die sich um die Pflege unserer Wanderwege kümmern.

„Wir freuen wir uns über die herrliche Natur, über die schönen Aus- und Fernblicke, wenn wir hier in unseren Wäldern und zwischen den Feldern spazieren gehen, wandern oder joggen. Jedoch: Wie oft denken wir dabei an die, die das für uns inszenieren?“, fragte Bürgermeister Heinz Reker am 23. Mai 2018 in seiner Laudatio.

Es sind die Wanderwegewarte, die für uns die Wege befestigen und freischneiden, die für uns die Wegweiser aufstellen, defekte wieder reparieren, Ruheplätze entlang der Wege schaffen, Bänke, Informations- und Orientierungskarten und manchmal auch Schutzhütten aufstellen. Und das in ihrer Freizeit – ehrenamtlich!

Was wir, die wir Wanderwege oft als selbstverständlich betrachten, mitunter nicht bedenken ist: „Wanderwege sind on en vogue! Denken Sie nur mal an den durch Harpe Kerkelings Buch ‚Ich bin dann mal weg‘ entstanden Hype um den Jakobsweg. Oder denken Sie an den Lippischen Pilgerweg. Da ist der Name Programm. Auch in Schieder-Schwalenberg gibt es einen Wanderweg, der diesen Bedarf kennzeichnet. Er heißt ‚Weg der Stille‘ und führt von Schwalenberg nach Corvey. Unter Wandern verstehen viele Menschen heute mehr als nur das klassische Entspannen beim Sonntagsnachmittagsspaziergang. Wandern ist als eine naturnahe, nachhaltige Möglichkeit der Entschleunigung – als eine Möglichkeit der inneren Einkehr - wiederentdeckt worden. Wenn Sie einen Rahmen für 'digitale detox' suchen, hier haben Sie ihn!“, verdeutlichte Bürgermeister Reker.

Auch Krankenkassen forcieren jetzt „die neue Lust am Wandern“. Denn Wandern stärke das Herz-Kreislauf-Sytem, senke den Blutdruck und lasse überflüssige Pfunde purzeln. Außerdem würde die Bewegung in der Natur Stresshormone abbauen, und den Körper gleichzeitig mit Glückshormonen überschwemmen, ist in deren Gesundheitsmagazinen zu lesen.

„Kurzum: Wanderwege sind ein Markt!“, stellte Heinz Reker fest, und ergänzte: „Das klingt, wenn man bei dem Thema Wandern pittoreske Bilder vor den Augen hat, ein bisschen widersprüchlich. Auf der einen Seite Berge, Täler, Wälder, Felder, Ausblicke, Panorama – kurz: bezaubernde Natur und auf der anderen Seite der stark umworbene Markt.“

Damit aber würde deutlich: „Unsere Landschaft ist unsere Schmuckkassette, gefüllt mit beeindruckender Natur, deren Wert wir gar nicht hoch genug schätzen können. Wir können Einkaufszentren und Veranstaltungshallen bauen, aber bauen Sie mal eine so schöne Natur, mit Bergen, Tälern, Wiesen und Feldern. Das vermag kein Mensch zu schaffen“, gab Bürgermeister Reker zu bedenken und fügte hinzu: „Und ich glaube auch nicht, dass sich Wanderwege zwischen Betonburgen und vollen Straßen, zwischen Lärm, Autoabgasen und Feinstaub zum Entspannen eignen. Wanderwege brauchen schon eine eigene Kulisse. Wir haben sie."

Wann immer wir unsere Landschaft auf den Wanderwegen genießen, wann immer wir von Gästen, die in Lügde verweilen, von unserer Natur schwärmen hören – sollten wir an sie denken: an unsere Wanderwegewarte, die unserer wertvollstes Gut, unseren „Schmuck“, in Szene setzen. Und wir sollten ihnen dankbar sein.

Text: Volker Thiele

29.5.2018