Die Stadt Lügde trauert um Heinrich Festing

Ein Anker in der Zeit – Heinrich Festing, die Welt war sein Zuhause und die Menschen seine Familie      

 4.1.1

Die Stadt Lügde trauert um Prälat Heinrich Festing, Eiferer für die Gerechtigkeit und Menschenfreund.

Heinrich Festing wurde am 10. Dezember 1930 in Lügde geboren. Nach einer Tischlerausbildung entschied er sich für das Abitur und ein anschließendes Theologiestudium. Sein Lebensvorbild war schnell gefunden – Adolph Kolping. Wie auch Kolping widmete Heinrich Festing sich früh der Sozialen Frage und begann, sich unermüdlich für die Schwachen und Benachteiligten einzusetzen.

Im Kolpingwerk fand Heinrich Festing den Raum und die Ideale sein Lebenswerk zu beginnen. Durch seinen unbeirrbaren Mut und seine unerschütterliche Zielstrebigkeit verfolgte er dieses bis zu seinem letzten Tag. Heute, viele Jahre später, lässt sich sagen, dass kaum jemand wie er das Kolpingwerk Deutschland und Kolping International so tiefgreifend und nachhaltig geprägt hat. Noch heute lebt das Kolpingwerk aus seinen Weichenstellungen und profitiert von seinen Entscheidungen.

Besonders Kolping International gäbe es ohne Heinrich Festing so nicht. Er ist entscheidend mitverantwortlich für die weltweite Ausweitung des Verbandes durch Gründung von Nationalverbänden, beginnend in Brasilien, über Europa, Afrika, Lateinamerika und Asien. Strukturen der Armut überwinden, lebendige Zivilgesellschaften aufbauen, berufliche Bildung, sauberes Trinkwasser, eine gerechte Stimme im Volk – dies sind nur einige der Zielsetzungen der Kolpingprojekte. In seinen 30 Jahren als Generalpräses, als 7. Nachfolger von Adolph Kolping, setzte er sich besonders in schwierigen Zeiten, auch auf eigene Gefahr hin, für die Menschen ein, die ihre Hoffnung in das Kolpingwerk setzten. So hielt er beispielsweise die Verbindung zu 175 Kolpingfamilien in der DDR aufrecht und vereinigte nach der Wende auch die Kolpingfamilien in Deutschland wieder. Er sah den einzelnen Menschen und ließ niemanden zurück. Kaum ein Mann hat Nächstenliebe und Gerechtigkeit so verfolgt und gelebt wie er.

„Ein Leben im Sinne Kolpings“ – ein Leben mit Grundfesten und Idealen brachte diesen Mann dazu, Vieles zu bewegen und pausenlos zu wirken. Er traf sich mit den Mächtigen der Welt, wurde ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und erster Klasse für ein Leben der Hingabe. Auch für Lügde selbst war er langjährig im Dienst am Altar und in der Seelsorge. Maßgeblich beteiligt war er ebenfalls am Aufbau des Mehrgenerationenhauses in Sabbenhausen. Der Wunsch Festings, dass nach seinem Tod statt Grab- oder Sachspenden eine Spende an Kolping International e.V. erfolgen soll, zeigt sogar in seinem letzten Weg die Verbundenheit zu der weltweiten Kolpingfamilie und ist ein liebevoller Abschiedsgruß – auf ein Wiedersehen.

„Wie sollten wir einem solchen Lebenswerk in ein paar Worten gerecht werden. Leitbilder wie Heinrich Festing brauchen wir für jede Generation und das gerade in der heutigen Zeit. Wir als Stadt sind tief betroffen über seinen Tod. Dass auch Lügde ein großes Stück Zuhause für ihn war und der Blick auf seine zahlreichen Erfolge für viele Menschen, macht uns dennoch froh. Er hat das Ziel seines Glaubens erreicht.“ so Torben Blome, Bürgermeister der Stadt Lügde.