Infostele am ehem. Franziskanerkloster

Ehemaliges Franziskanerkloster

Am 12. August 1749 wurde der Grundstein zum Bau des Franziskanerklosters gelegt. Zunächst baute man den Wohn- und Wirtschaftstrakt aus und konnte diese Arbeiten schon 1752 abschließen. Im Jahre darauf wurde die Kirche mit dem typischen Barockgiebel in Bruchsteinmauerwerk begonnen. Die Einweihung derselben erfolgte am 5. September 1756.

Es kamen drei Patres und fünf Laienbrüder nach Lügde. Der Hauptzweck ihrer Tätigkeit war die Seelsorge in der an Lügde angrenzenden Diaspora. Die Stadt war im Jahr 1624 wieder katholisch geworden, im Gegensatz zu allen umliegenden Ortschaften, die weiterhin mehrheitlich protestantisch geprägt waren. Im Kloster wurde auch eine Privatschule eingerichtet, in der außer Lesen, Schreiben und Katechismus auch aus einer uralten kölnischen Grammatik Latein gelehrt wurde.

Häufig diente das über dem Stadtniveau gelegene Kloster während der zahlreichen Hochwasserkatastrophen, von denen Lügde oft heimgesucht wurde, als Notunterkunft für die Bevölkerung. Auch nach den großen Brandkatastrophen von 1790 und 1797 wurden viele Obdachlose im massiven Franziskanerkloster für Monate untergebracht.

Bekannt war das Kloster auch für seine Gastfreundschaft. Zu den Gästen der Patres zählte unter anderem auch Johann Wolfgang von Goethe, der das Kloster mit seinem Sohn während eines Kuraufenthaltes in Pyrmont 1801 besuchte.
Schriftliche Quellen besagen, dass die im Barock erbaute Klosterkirche eine prachtvolle und reichhaltige Innenausstattung aufwies. 1803 erhielt die Klosterkirche eine neue Orgel. 1813 weilte König Jérôme in Wilhelmshausen an der Fulda. Er schenkte dem Ort die schöne Orgel aus der Lügder Franziskanerkirche. Die Einwohner aus Wilhelmshausen holten die Orgel unter Lebensgefahr aus Lügde ab, denn sie stießen natürlich auf hartnäckigen Widerstand. Die Orgel befindet sich heute noch mit einer Inschrift über den seltamen Erwerb in Wilhelmshausen nahe Kassel.

Am 7. April 1812 schrieb der Finanzminister von Preußen an die Minister des Innern:

„Da das Klosterpersonal in Lügde sich auf drei Individuen beschränkt und zu dem Kloster kein Kirchensprengel gehört, vielmehr in Lügde eine eigene katholische Pfarre besteht, so scheint es mir geraten zu sein, das Kloster aufzulösen.“

Das größtenteils in einem schlechten Zustand befindliche Mobiliar wurde sofort verkauft. Das Kloster nebst Ländereien erwarb der protestantische Freiherr von Klenke aus Hämelschenburg. Zu den Ländereien gehörten 190 Morgen Land, größtenteils im Ollen-Lüderfeld gelegen, ferner einiges an Weideland, verschiedene Gärten und ein Kornspeicher an der Hinteren Straße, die sogenannte „Kannenscheune“. Die ehrwürdige Kirche wurde fortan als Viehstall genutzt.

Später verkaufte von Klenke das Klostergebäude an den Lügder Marcus Heimann. Dieser ließ das herrliche Barockgewölbe, das reichlich mit Stuck verziert war, aus der Kirche entfernen und nutzte das Gebäude als Scheune. Das Kloster vermietete er. Zeitweilig befand sich darin auch eine Zigarrenfabrik.

1859 wurde das frühere Franziskanerkloster von der kath. Kirchengemeinde für 10.000 Taler gekauft. Die Stadt gab 4.000 Taler dazu, verlangte dafür aber eine Wohnung für den Kaplan. Die übrigen Räume des Klosters wurden zu einem Krankenhaus umgestaltet. Als Pflegerinnen wurden Schwestern des Ordens „Arme Dienstmägde Jesu Christi“ aus deren Mutterhaus in Dernbach berufen, die am 2. Oktober 1860 ihre Arbeit aufnahmen. Die mit dem Kloster verbundene ursprüngliche Kirche wurde vorläufig an verschiedene Landwirte verpachtet.

1912 erfolgte eine erneute Umnutzung der Klosterkirche. Durch den Einbau einer Zwischendecke wurden im Erdgeschoss ein Veranstaltungsraum und eine Kinderverwahrschule, der Vorläufer des heutigen kath. Kindergartens, eingerichtet.
1958 wurde das Liboriuskrankenhaus, trotz einer mehr als großzügigen Spendenaktion seitens der Lügder Bevölkerung, geschlossen, weil die Schwestern Lügde verließen. Auf Drängen der Stadt verblieben zunächst noch drei Schwestern zur ambulanten Krankenpflege und Betreuung des Kindergartens. Später wurde das Klostergebäude bis 1971 als Altersheim genutzt.

Von 1973 bis 1978 wurde das Gebäude zum Pfarrgemeindezentrum der kath. Kirchengemeinde umgebaut. Dabei wurde im nord-westlichen Kellerbereich eine Gruftanlage mit Grabkammern freigelegt, die wohl von den Franziskanern errichtet worden war. Zehn der hier beerdigten Patres konnten anhand eines vorhandenen Totenbuches der Sächsischen Franziskanerprovinz identifiziert werden. Die Gebeine wurden im Innenhof des Klosters beigesetzt.

Im Kellergewölbe an der vorderen Nord-Ostseite richtete sich die Kolpingsfamilie ihren Versammlungsraum, den „Klosterkeller“ ein.

In den Jahren 1997 bis 1999 fanden erneut umfassende Umbauarbeiten statt. Dabei wurde das Erdgeschoss bis auf einen Raum, der als Bücherei dient, zu einer Kindertagesstätte umgebaut. Im Obergeschoss entstanden Räumlichkeiten für Vereine und Gruppen sowie der „Klostersaal“ als großer Veranstaltungsraum und Kleinkunstbühne.

Das Stadtmodell. Der historische Stadtkern von Lügde

Der Siedlungsplatz „Liuhidi“ wurde bereits 784 anlässlich der ersten Weihnachtsfeier Karls des Großen im Land der Sachsen urkundlich erwähnt.

Die eigentliche Stadtgründung geht auf eine plan-mäßige Anlage der Grafen von Pyrmont vor 1246 zurück. Der Stadtgrundriss ist in seiner ursprünglichen Form bis -heute erhalten. Es handelt sich um den gestreckten ovalen Grundriss einer lippischen Planstadt mit einem leiter-förmigen Straßennetz. Dominierend sind die drei Längsstraßen, deren einfache Bezeichnungen Mittlere, Vordere und Hintere Straße nach wie vor gelten. Diese drei Hauptstraßen sind jeweils im Bereich der beiden Stadttore, dem Niederen und dem Oberen Tor, zur Mittleren Straße zusammengeführt und bieten damit neben dem Brückentor die einzigen Zu- und Ausfahrten der historischen Altstadt. Der Marktplatz mit dem Rathaus bildet in der Einheit mit der Kirche „St. Marien“ und ihrem Kirchhof das eigent-liche Zentrum der Stadt. Vom Marktplatz gehen die wichtigsten Querstraßen, die Seilerstraße, an der die Evangelische Kirche „St. Johannis“ liegt, und die Brückenstraße mit der weiteren Torsituation und dem Wehrturm ab. Das gesamte Stadtgebilde wird von der gut erhaltenen Befestigungszone umschlossen, die aus Stadtmauer, zwei erhaltenen Wehrtürmen, Wallgraben und dem Vorfeld zum Fluss „Emmer“ besteht.

Das jetzige Straßenbild wird geprägt durch die meist giebelständigen Ackerbürgerhäuser. Sie sind, mit wenigen Ausnahmen, nach dem großen Stadtbrand im Jahre 1797, bei dem von ca. 300 vorhandenen Häusern 243 bis auf die Grundmauern niederbrannten, errichtet worden.

Der Wiederaufbau von ca. 200 Häusern innerhalb von drei bis vier Jahren, eine Leistung, die uns heute unvorstellbar erscheint, ließ ein einzigartiges frühklassizistisches, von Fachwerk-Ackerbürgerhäusern, in Anlehnung an das „Niedersächsische Hallendeelenhaus“, geprägtes Altstadtbild entstehen, das in seltener Geschlossenheit erhalten ist. 

Unterscheiden lassen sie sich nur durch -wenige Schmuck-elemente, wie den typischen Hausinschriften über den in der Mittelachse der Fassade liegenden -Deelentoren.

Der unverfälscht erhaltene Stadtgrundriss als Beispiel für die planmäßige Anlage einer mittelalterlichen Stadt nach lippischem Schema, die gut erhaltene Stadtbefestigung und das weitgehend erhaltene gleichförmige Stadtbild mit den typischen Ackerbürgerhäusern, sind von besonderer Bedeutung für Kulturlandschaft, Volkskunde und Denkmalpflege im gesamten ostwestfälischen Raum.

Das hier 2015 aufgestellte bronzene Stadtmodell des Künstlers Egbert Broerken soll dem Betrachter eine -erste Information und Orientierung beim Besuch der -Lügder Altstadt geben. Das Modell -wurde mit Finanzmitteln des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen sowie mit Unterstützung des Kreises Lippe und dem Verein der -Osterdechen in Lügde ermöglicht.