Infostele in Sabbenhausen: Heinrich Drake und das Drake-Pony

Heinrich Drake

Heinrich Drake wurde am 15. Februar 1903 in Ratsiek/Lippe-Detmold als Sohn eines Schuhmachermeisters geboren, er lernte Schuhmacher bei seinem Vater. 1923 begann er ein Volontariat als Holzschnitzer und arbeitete drei Jahre als Akkordholzschnitzer in Detmold. Hier entdeckte man sein Talent: ein Stipendium des Freistaates Lippe zum Besuch der Akademie für Kunstgewerbe Dresden ermöglichte ihm 1927 das langersehnte Kunststudium. Schon ein Jahr später gewann er zwei 1. Preise der Dresdener Akademie bei einem schulinternen Wettbewerb für Porzellangestaltung, mit denen er sich eine wichtige Studienreise nach Italien finanzierte.

Die Umsiedlung nach Berlin (1929) und die Bekanntschaft mit führenden Bildhauern führten dann zur autodidaktischen Weiterbildung in der Bildhauerei. Damit hatte Heinrich Drake die ihm wesenseigene Profession gefunden. Dank seines Talentes, Fleißes und harter Arbeit entwickelte er sich nun zu einem Bildhauer von Rang. Er studierte von 1927 bis 1929 bei Karl Albiker an der Akademie für Kunstgewerbe in Dresden um danach als freischaffender Künstler bis 1940 zu arbeiten und bei Georg Kolbe parallel zu studieren. 1940 erhielt er ein Rom-Stipendium der Preußischen Akademie der Künste, an das sich ein Aufenthalt in Florenz anschloss. 1942 bis 1945 war er in Berlin kriegsdienstverpflichtet.

Nach dem Kriege und der Mitbegründung der Kunsthochschule Weißensee siedelte der Bildhauer und Hochschullehrer 1952 nach Berlin-Hohenschönhausen und 1958 nach Wilhelmshagen über. Heinrich Drake war 1946 Gründungsmitglied der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wo er bis zur Emeritierung 1969 als Professor und Leiter der Abteilung Plastik wirkte. 1954 wurde ihm der Nationalpreis der DDR verliehen und im gleichen Jahr wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Künste ernannt. In den 1950er und 1960er Jahren unternahm Drake
Bildungsreisen nach China, Vietnam und Georgien. Seit 1975 war er Mitglied der Sektionsleitung Plastik im Verband Bildender Künstler der DDR. Heinrich Drake ist am 26. Juli 1994 in Berlin gestorben. Die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Pankow.

Auszeichnungen

• 1954: Nationalpreis (DDR) III. Klasse für die plastischen Werke, vor allem seine Karl-Marx-Büste
• 1965: Nationalpreis II. Klasse, insbesondere für sein Heinrich-Zille-Denkmal
• 1968: Vaterländischer Verdienstorden in Silber
• 1978 und 1989: Vaterländischer Verdienstorden in Gold
• 1984: Goethepreis der Stadt Berlin

Werke

Das frühe Werk von Drake umfasste Porträts in großen und derben ausdrucksvollen Formen (Fritz Cremer, Frauenportrait) und ab 1934 schuf er filigrane Akte und Tierplastiken. Nach 1945 befasste er sich mit Großplastik (Karl Marx-Büste) um ab den 1950er Jahren vielseitig zu gestalten.

• Zebra, Silber, Detmold Landesmuseum, 1929/30
• Fritz Cremer, Bronzebüste, 1930
• Frauenportrait, Bronze, 1931
• Jüngling, Bronze, in der Nationalgalerie Berlin, 1936
• Panther, Bronze, Altenburg, Staatliches Lindenau- Museum, 1936
• Pony und Hochlandstier in Warnemünde (die 1938 geschaffenen Figuren wurden 1961 aufgestellt)
• Junge Frau, Bronze, Berlin
• Karl Marx-Büste, Granit, Berlin, 1954
• Prof. Wuken-ming, Bronze, 1956
• Pantherkatze Granit, 1953, Berlin
• Jaguar, Bronzeplastik, 1960
• Zille-Denkmal in Berlin (Köllnischer Park, am Märkischen Museum), 1964–65
• Goethe mit Ulrike von Levetzow am Marienbader Goethewanderweg, 1967, VEB Lauchhammer
• Landespräsident Heinrich Drake, Bronzebüste in Detmold, 1971
• Besinnung, Bronzeplastik, 1976–77
• Albert Einstein, Bronzebüste, 1981
• Stehender Knabe, Bronzestatue, 1982–83
• Hans-Jürgen Treder, Bronzestatuette, 1987
• Fohlengruppe, Bronzestatue im Tierpark Berlin, 1956
• Hochlandstier, Bronzestatue im Tierpark Berlin, 1956

Das Drake-Pony

Hier stehen Sie nun unmittelbar vor dem sogenannten „Drake Pony“ – ein bronzefarbenes Shetland-Pony. Doch dieses Pony stand nicht immer hier. Die Skulptur ist ein Abguss des Originals von dem Bildhauer Heinrich Drake (1903 – 1994) und stammt ursprünglich aus Ost-Berlin. Von dort aus wurde es 1984 mit einem Frachter über die Grenze nach West-Deutschland bis nach Lügde transportiert. Seit 1984 stand es auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in Lügde. Heinrich Drake war hierfür extra nach Lügde gekommen, um den Platz für sein Werk zu bestimmen. Damals stand die Stadtsanierung kurz vor dem Abschluss und es wurde überlegt, Kunst in die Stadt zu bringen. Aufgrund eines Hinweises aus dem Rat auf Heinrich Drakes
Wurzeln in Ratsiek (Sabbenhausen) hat man den Kontakt zu dem namenhaften Künstler hergestellt. Drake hatte dann die Skulptur aus seinen Werken ausgewählt. Für die Herstellung des Abgusses habe die DDR damals 14.000 – 16.000 D-Mark in Rechnung gestellt.
Im Zuge der Neupflasterung des Marktplatzes 2013 wurde die Bronze-Skulptur demontiert und sollte aber nun nicht wieder dort platziert werden. Denn das Drake-Pony sollte dem künftigen Ziegenbrunnen keine Konkurrenz machen.
Aufgrund von Drakes Wurzeln in Ratsiek wurde Sabbenhausen als der neue Standort für das Pony vorgeschlagen. Für die Diskussion wurde eine Verwandte von Heinrich Drake eingeladen. Brigitta Gottwald ist die Nichte des Bildhauers. Sie erläuterte, dass es ganz im Sinne ihres Onkels gewesen wäre, das Drake-Pony nach Sabbenhausen zu bringen. Denn „er wollte immer, das etwas von seiner Kunst in seiner Heimat steht“, so Gottwald. Und so wurde am
04.09.2014 bei einer Abstimmung fast einstimmig zugunsten Sabbenhausens entschieden.